MHb#18

Vorab – das hier ist meine erste Rezension. Neben der Herausgeberin Anja Kiefer, fand ich auch die Zeitschrift „Mein Herz bellt“ schon immer toll, daher habe ich direkt zugestimmt. Zur Rezension bekam ich eine Ausgabe als epaper. Qualität – in Optik und Inhalt – habe ich erwartet und das habe ich auch erhalten.

Themen des mir zugeteilten Exemplars waren unter anderem Folgende:

Frustration:

Ah … sehr schönes Thema – sehr schöner Artikel von Nerina Aupperle. Verständlich, einleuchtend, fachlich qualifiziert und packend geschrieben. Man kann nicht oft genug betonen, dass schon die Gewaltandrohung reicht und nicht minderbelastend für den Hund ist und ebenso richtig nochmal zu betonen, dass die Tagesform variiert. Besonders hat mir der Zusammenhang mit dem Kontrollverlust gefallen und war mir neu. Ich für meinen Teil habe da bisher eher eingleisig gedacht statt mir über weitere Vernetzungen Gedanken zu machen. Auch der Unterschied zwischen Impulskontrolle und Frustrationstoleranz wird schön herausgearbeitet. Nerina Aupperle gibt den Hinweis auf das Ausmaß der möglichen Folgen wie z. B. Stereotypes Verhalten. An dieser Stelle, hätte ich mir nochmal die Erläuterung zu stereotypen Verhalten gewünscht. Aber das ist auch schon die einzige Kritik, die ich finden kann. Und anschließend gibt es eine Lösung für jeden an die Hand – in Form einer Art 10 Gebote 😉 einfach, gut und mit hohem Aufforderungscharakter.

Zum viele Hunde / Hundehalter betreffenden Thema Angst gibt es auch das ein oder andere Lesehäppchen. „Silvester“ oder „Bello allein Zuhause“

…eine nette kleine Basisanleitung zum Antrainieren. Bei bestehenden Verlass Ängsten sicher nicht  umfassend genug. Aber durch den Artikel weiß man ja an wen man sich zum Beispiel wenden kann.

Do as I do

Silvia Weber erzählt von der Vorliebe des Hundes zu visuellem Kontakt. Man weiß ja durchaus schon um die Wichtigkeit der Körpersprache – in diesem Fall des Menschen.  Hier haben wir einen fachlich fundierten Basis-Artikel dazu, der schön die evolutionären Vorteile für den Hund uns zu beobachten aufnimmt. Auch sehr lesenswert der Unterschied zwischen sozialem und individuellem Lernen. Sicherlich sinnvoll, aber nach meinem Gefühl etwas umständlich der Kommandoaufbau von „do it!“  – wobei ich der Meinung bin, dass es auch wirklich schwer ist, praktisches Vorgehen, welches oft individuell angepasst werden muss, in Schriftform einfach und freudvoll darzustellen. Nach dem Lesen hatte ich richtig Lust ein Seminar von Silvia Weber in Ihrer Homebase Schwerte zu besuchen und war traurig zu lesen, dass sie sich zurückgezogen hat. Alles Liebe einer sehr engagierten Frau! Im Anschluss ein ähnlicher Artikel zum Thema „Do as I do“, in dem das Konzept von Claudia Fugazza nochmal aufgegriffen wurde. Ich selbst hatte mit meinem Junghund ein Erlebnis, der zeigt, dass es ein von Hunden automatisch bevorzugter Weg ist. Wir waren bei Freunden grillen und meine Hündin rannte zwischen dem Zaun zu einem Grundstück auf dem Kaninchen waren und der Sitzgruppe hin und her, um mir zu erzählen „da sind KANINCHEN!“. Als ich mit gucken gekommen bin, habe ich mich an den Zaun gestellt, rüber geguckt und mich dabei unbewusst mit einer Hand am Zaun abgestützt. Ja klar, also stützte sich mein Hund ebenfalls mit einer Pfote am Zaun ab und wir schauten gemeinsam und glücklich drüber.

Dann hatten wir auch sensibles Thema „Kind und Hund“.

Darunter auch ein recht kurzer Artikel über Therapiehunde von Beate Tomulla. Mir schien, es ein Spartenarktikel. Geboten wurde beste Aufklärung zum Umgang mit Hunden und Verhalten von Hunden. In jedem Munde ist das Wort „Therapiehund“ voll positiver Schwärmerei, welche natürlich ihre Berechtigung hat. Ein gut ausgebildeter Therapiehund ist überaus sinnvoll und sein Geld zu 100% wert. Aber hier und da laufen mir ständig Hunde, die irgendwie als Therapiehunde arbeiten über den Weg. Eine genaue Abgrenzung zum „einfachen“ Lebensbegleiter ist mir meist nicht klar. Unklarer wird somit auch für die Umwelt der normale Umgang mit fremden Hunden. Genau das greift … auf und beschreibt sowohl die Positivseiten wie auch die Negativseiten. So greift sie das Problem der Übertragung auf den Alltag auf. So erfahren z.B. Kinder den Therapiehund als besonders geduldig und übertragen das auf alle Hunde. Da ist laut ihrer Ansicht auch die oft benutzte Unterteilung in „guter und böser Hund“ eher kontraproduktiv. Denn Therapiehunde sind ganz besondere Hunde, was den „Normalhund“ doch nicht schlechter macht und machen soll. So unterstreicht die Autorin nochmal die Tatsache, dass jeder Hund Zähne hat, die weh tun können und dass jeder Hund nur mit gutem Grund beißt. Darunter meist Angst, Verteidigung, Zurechtweisung, Schmerz, Jagd und Spiel. Klare sachliche fundierte Worte.

Nadine Wächter von eaysdogs hat ein lesenswertes Plädoyer für den Hund in der Familie und wie es gelingen kann geschrieben. „We are family!“ In diesem Bericht hat mir am meisten gefallen, dass es nicht reicht einfach Kind und Hund sich unter Aufsicht kennenzulernen zu lassen und dem Hund das Gefühl zu geben, dass er nicht zu kurz kommt. Dazu könnte der Artikel über Frustration zu Beginn der Zeitschrift wieder sinnvoll sein. Nein, Nadine Wächter beschreibt, dass es unterschiedliche Phasen gibt. Von „das Baby ist da“ bis „Teens“ gibt es unterschiedliche Sachen zu beachten und ist ein angepasstes Verhalten wichtig zum Team Kind/Hund.

Des Weiteren hat sich Monika Scherrer mutig getraut über Spiritualität bei Hunden zu sprechen. Und dem Artikel  von Ruth Stolzewski sei Dank, weiß ich nun um die Existenz des Films „Freund oder Feind“. Einmalig und mutig wird offen darüber spekuliert, wie manch ein Mensch mit seinem sogenannten besten Freund umgeht. Es wird sowohl über Listenhunde, die Problematiken der Zucht sowie auch über den Welpenhandel bzw. die „Produktion: Hund“ diskutiert.

Der Artikel über Kastration von Kristina Ziemer-Falke fasst nochmal gut das für und wieder auf. Der Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation, nimmt dem Thema die Schwarz/Weiß- Sicht. Eine Lösung hat man dadurch nicht. Es bleibt ein diverses Thema, da de facto in einen Regelkreis von Hormonen eingegriffen wird, was im Ganzen Körper etwas unwiderruflich verändert.

Ach ja und da ist ja noch die bestimmt ganz nette und herzerwärmende Serie von Katharina Küsters über Hermine, den Behindertenbegleithund. Darin auch nochmal sehr gut der Unterschied zwischen BBH / Therapiehund und Besuchshund. Und sonst war noch so viel mehr Inhalt, die die Ausgabe lesenswert macht.

 

Fazit:

Jede Menge gutes Wissen!
Gut portioniert und schmackhaft aufbereitet durch wunderschöne Bilder!  Mir tat es auch einfach gut, mich mal wieder einer gar nicht mal so kleinen Gruppe zugehörig zu fühlen, wo ich mich im Alltag doch teils als einzelner „komischer Kauz“ fühle und auch oft genug als solcher betrachtet werde. Da unterstützt das Lesen einer solchen Zeitschrift doch sehr meinen  eingeschlagenen Weg und stärkt einem das Rückgrat! Danke dafür, ANJA! Außerdem fand ich es schön, nochmal neue interessante Menschen/ Kollegen/ Ansprechpartner kennenzulernen. Ein klein wenig Kritisches zum Ende – ich habe mal wieder gemerkt, dass ich die Ausgabe lieber in „echt“ in den Händen gehalten hätte. Bei Benutzung des e-Papers*, ist mir aufgefallen, dass es etwas einfacher wäre, die Fotos nicht mittig in den Text zu setzen, da das bei Vergrößerung der Schrift und dem damit verbunden nötigem scrollen je Ecke umständlicher ist.

Ansonsten gerne über 100 Seiten, aber es würde sich bei der Qualität auch lohnen für 60-80 Seiten „Mein Herz bellt“ zu abonnieren oder einzeln zu bestellen. Mir war es eine Ehre, um meine Meinung gefragt zu werden.

Für die Zukunft viele Freunde und Förderer, denn die Verbreitung und der Erhalt dieses Wissens ist wichtig!

 

Wir bedanken uns recht herzliche für diese Rezension 🐶
* Ab der Ausgabe MHb#19 ist auch das Abo in der Printversion möglich.

 

Zur Person

Rezension „mein Herz bellt“ Ausgabe 18 von Julia Woytal – Humanheilpraktikerin Schwerpunkt Traditionell chinesische Akupunktur/Humanphysiotherapeutin und therapeutische Praxis für Hunde Privat cumcane-Sympathisantin und stolzes Mitglied ihrer Familie bestehend aus Hund Mona, Katze Smilla und Pferd Galija