Ein Tag im Leben einer Tierfotografin

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Wenn am frühen Morgen der Wecker klingelt und sich der ein oder andere nochmal im Bett umdrehen kann, ist sie schon auf den Beinen: Nadine Golomb, Inhaberin von TIER-Fotografie & Design ansässig im nördlichen Rand des Ruhrgebietes , ist seit 2009 im Bereich der Tierfotografie tätig.  Seit 2015 begleitet sie ihr vierbeiniger Assistent Cap.  Wir freuen uns, sie für ein Interview mit der Mein Herz bellt® gewinnen zu können.

MHb: Nadine, so ein Fotografenalltag beginnt in der Regel sehr früh. Stimmt es, dass Du tatsächlich, wie man so schön sagt: „Mit den Hühnern aufstehst?“ 

Ja, das kommt tatsächlich des Öfteren vor 😃 Als Fotografin sieht man das natürliche Licht mit anderen Augen – und am schönsten ist das erste und das letzte Licht des Tages. Im Sommer sind das mitunter nur die ersten und letzten zwei Stunden des Tages. Und da es im Sommer morgens meistens kühler ist als abends, bevorzuge ich die ersten Stunden des Tages. Und wenn man sich dann noch klar macht, dass im Sommer die Sonne auch schon um 5 Uhr “irgendwas” aufgeht, hast du wirklich recht: Ich stehe dann definitiv mit den Hühnern auf. Dafür fangen dann aber im Winter die Tage später an.

MHb: Du bist seit 2009 im Bereich der Tierfotografie tätig. Umfasst das tatsächlich Hund, Katze, Maus?

Um ehrlich zu sein hatte ich bisher noch keine Maus im Fotoshooting – aber dafür um so mehr Hunde und Pferde. Ursprünglich, sprich in den ersten 1 – 2 Jahren,  habe ich ja mal mit den Pferden angefangen – und irgendwann kamen die Hunde dazu, an die ich mich – weil sie einfach viel kleiner und damit viel flinker sind als Pferde – herantasten musste.
Inzwischen nehmen die Hunde sogar den Hauptteil meiner Fotoshootings ein, gefolgt von den Pferden.
Aber Katzen tummeln sich auch immer wieder vor meiner Kamera. 

MHb: Dein Einsatzgebiet ist „die freie Wildnis“, wenn man das so sagen kann. Das bedeutet Du triffst dich mit deinen Kunden an einer schönen Location, z.B. im Wald. Mit Hunden ist das sicherlich möglich, aber kann man auch so einfach mit Pferden zu einem Fotoshootings fahren?

Ja, ganz genau. Ich bin wirklich in der Hinsicht “Draußen Zuhause” 😉
Mit den Hunden sind wir da auf jeden Fall flexibler – denn die meisten Hunden kennen das Autofahren ja aus ihrem Alltag.
Aber wir haben auch tatsächlich schon Pferde zur Location gefahren – wenn Auto und Anhänger vorhanden sind und die Wunschlocation nicht fußläufig entfernt liegt. Erfahrene Pferde haben wir schon 100 und mehr Kilometer ans Wasser gefahren – aber das ist wirklich eine Ausnahme.
Meistens halten wir uns mit Pferden in Stallnähe auf. Dort findet sich meistens eine schöne Wiese, ein Wald oder ähnliches.
Ab und zu – gerade bei extremem Wetter (sehr kalt oder sehr warm) fotografiere ich aber auch schonmal drinnen – ohne Studio, einfach mit dem Licht, das durch die Fenster einfällt.
Gerade Katzen fotografiere ich auch schonmal gerne in der Wohnung.

MHb: Wie bist Du denn überhaupt auf die Idee gekommen, als Tierfotografin tätig zu werden? Hast Du schon immer fotografiert oder war das eher ein Zufall?

Fotografiert habe ich tatsächlich irgendwie “schon immer”. Ich bin halt ein sehr kreativer Mensch und finde in der Fotografie die Chance, mich kreativ auszutoben.
Da mein Herz aber schon ebenso lange auch für die Tiere schlägt, kam in Sachen Fotografie für mich eigentlich auch nur die Tierfotografie in Frage.
Unterm Strich ist das für mich eine tolle Kombination aus Dingen, die ich liebe:
Umgang mit Tieren und tierlieben Menschen, frische Luft, Natur und Kreativität.

MHb: Was ist für dich die ganz persönliche Herausforderung bei einem Shooting?

Irgendwie gleicht doch kein Shooting dem anderen: Tier, Tierhalter, Örtlichkeit, Licht und Wetter sind doch nie exakt das Gleiche – und das bedeutet für mich, ich muss mich jedesmal neu auf dieses Situation einstellen. Genau darin liegt für mich die besondere, persönliche Herausforderung. Mein Ziel ist es, das Tier “echt”, mit seinem ganz eigenen Charakter, abzubilden. Je mehr Erfahrung ich sammle, desto besser (und schneller) gelingt es mir, mich einzustellen und die Bilder in den Kasten zu bekommen, die ich mir für den Tierhalter wünsche.
Und trotz aller Erfahrung gibt es immer wieder Situationen, die durch irgendeine Konstellation kniffliger sind. Das fordert mich heraus und gibt mir im Anschluss ein tolles Erfolgsgefühl.

MHb: Stellst Du auch Ansprüche an dein Fotomodell? Gibt es sozusagen „Bedingungen“, die erfüllt werden müssen, damit Du das Tier fotografierst?

Nein. Also höchstens, dass für mich (und alle Beteiligten) keine Gefahr besteht, weil das Tier z.B. sehr aggressiv ist. Alles andere berücksichtige ich in meinem Shooting. Ist z.B. der Hund nicht ableinbar, nutzen wir eine Schleppleine oder ein eingezäuntes Grundstück. Ist der Hund extrem ängstlich, fotografieren wir z.B. dort, wo er sich sicher fühlt.
Hat ein Pferd Probleme, alleine zu sein, sorgen wir dafür, dass ein Pferdekumpel während des Shootings in der Nähe ist.
Wenn ein Hund kein “Sitz” oder “Platz” auf Anweisung macht, dann ist das für mich völlig in Ordnung – mitunter gibt es dann keine Fotos, auf denen der Hund an Punkt X sitzt oder liegt – aber es gibt dafür Fotos, wie der Hund sich natürlich verhält. Und mit natürlich meine ich hier, wie er sich eben sonst auch verhält. Wenn ein Hund sonst nicht auf Kommando “Sitz” und “Platz” macht, muss ich das auch nicht im Fotoshooting künstlich stellen. Evtl. sind dann bestimmte Motive einfach nicht umsetzbar – aber es kommt auch extremst selten vor, dass Motive gewünscht werden, die durch Trainings- oder auch Gesundheitszustandes des Tieres nicht umgesetzt werden können. 

Nadine im Einsatz – immer an ihrer Seite: Rauhaardackel Cap
Foto: Sandra Heinitz

MHb: Wenn ein Hund gut trainiert ist, so ist dies bestimmt hilfreich beim Fotografieren. Das sieht aber bei Pferden bestimmt anders aus. Da kann man sicher nicht einfach „Sitz“ sagen, oder?

Das hast du absolut recht!
Natürlich haben zwar die meisten Pferde ein gewisse Erziehung genossen, dass sie z.B. stehen bleiben, wenn man sie “hinstellt”.
Von einem Pony, das aber auf einer frischen grünen Wiese steht, ist es aber fast unmöglich zu verlangen, dass es sich keine Grasbüschel herausrupft. Da müssen wir dann die Location anders auswählen oder damit rechnen, dass auf dem Foto auch mal ein paar Büschel aus dem Ponymaul schauen 😉
Es gibt noch andere Beispiele, was bestimmte Pferde einfach nicht mitmachen. Die ich – erwähnt – ursprünglich aus dem Pferdebereich komme und meine Pferde-Erfahrung dadurch noch größer ist, als meine Fotografie-Erfahrung, kommt mir diese bei den Fotoshootings zu Gute.
Ich verfolge generell die Devise, lieber etwas heraus zu kitzeln als zu erzwingen – und insbesondere bei Pferden erreiche ich damit schönere Fotoergebnisse. Es dauert vielleicht manchmal länger – aber als Tierfotografin sollte man eh immer genügend Geduld im Gepäck haben 😉


MHb: Es gibt unterschiedlichste Arten der Fotografie, wie Portrait-, oder Bewegungsaufnahmen. Welche Art der Fotografie bietest Du denn an und welche ist dein persönlicher Favorit?

Beides! 🙂
Und wenn ich mich jetzt für eines entscheiden müsste, würde mir das andere auf Dauer fehlen, denke ich. Ich liebe die Abwechslung aus beidem. Das Pferd, das ausgelassen über die Wiese galoppiert, der Hund der wie ein Flummi seinem Spielzeug hinterher hüpft – da lacht mein Fotografen-Herz. Aber auf der anderen Seite – ein aufmerksamer Pferdeblick zu mir oder ein Hund, der sich sogar auf einem Baumstamm ablegen lässt – solche Momente gehen mir auch direkt ins Herz und ich will sie festhalten.
Ist bei einem bestimmten Tier nur eine Art von Bildern möglich – z.B. keine Action weil das Pferd gesundheitlich angeschlagen ist oder der Hund noch “nichts” kann, weil er noch sehr jung ist und erstmal nur tobt – dann gehört das für mich zur Individualität eines Tieres.


MHb: Für Kunden ist es wichtig zu wissen, woran sie bei einem Shooting zu denken haben. Gibt es eine Art „Infobroschüre“ oder wie bereitest Du deine zweibeinigen Kunden auf das Shooting vor?

Am liebsten ist mir ein persönliches Telefonat im Vorfeld.
So erfahre ich auf der einen Seite schon ein bisschen was über Tier, Mensch und ihr Verhältnis zueinander. Auf der anderen Seite kann ich schon viele Fragen beantworten , die der Tierhalter im Vorfeld hat.
Zum Nachlesen oder als unverbindliche Vorab-Info habe ich auf meiner Internetseite aber eine Reihe von FAQs aufgelistet und beantwortet: https://www.nadinegolomb.de/fotoshooting/faq/


MHb: Wenn das Shooting fertig ist, ist dann auch dein Auftrag damit erledigt? Gibt es nach dem Shooting noch weitere Arbeit, die der Kunde so gar nicht mitbekommt?

Um ehrlich zu sein ist das Fotoshooting selbst eigentlich der kleinste Posten im zeitlichen Umfang 😉
Ich nehme mir gerne Zeit für die Vorbereitung, zu der das erwähnte Vorgespräch in telefonischer oder persönlicher Form gehört.
Dazu gehört auch eine individuelle Terminabstimmung – inkl. Ausweichterminen, falls es regnen sollte.
Nach dem Shooting – und das ist etwas, was inzwischen doch immer mehr Interessenten und Kunden bewusst wird – investiere ich noch viel Zeit in die Nachbearbeitung der Bilder. Ich fotografiere natürlich digital – aber auch diese Bilder müssen entwickelt werden. Das passiert heute am Computer, statt in der Dunkelkammer – kostet aber nach wie vor viel Zeit.
Die Nachbearbeitung soll keine Bilder retten, die misslungen sind – sie soll technisch guten Bildern den letzten Schliff und (m)eine persönliche Note geben. Im ersten Schritt erfolgt eine etwas größere Entwicklung – so bekommt der Tierhalter die Bilder seines Lieblings zu sehen und sucht sich seine Lieblingsbilder daraus aus.
Diese werden dann nochmal fein justiert, eh sie per DVD oder USB-Stick individuell und liebevoll letzten Endes beim Tierhalter ankommen.

MHb: Viele fotografieren ihr Tier mit dem Handy. Kann man damit überhaupt gute Bilder machen? 

Ich glaube, dass man mit dem Handy tolle Bilder machen kann. Bilder, die mitten aus dem Alltag stammen, die wertvolle Erinnerungen für immer sind. Aber: Ich glaube nicht, dass Handybilder die Qualität haben, in groß an meiner Wand zu landen.
Vielleicht habe ich auch das falsche Handy – aber ich muss zugeben: Mir persönlich gelingen damit keine guten Bewegungsbilder – und bei den echten Stimmungsbildern fehlt es mir auch an Qualität.
Ich selbst fotografiere meinen Cap auch mit dem Handy – in Alltagssituationen, in denen ich nur das Handy zur Hand habe.
Und das ist für mich dann reines Knipsen – für’s Fotografieren nehme ich mir mehr Zeit. Und meine Kamera. Mein Rat an alle Tierbesitzer: Fotografiert eure Tiere mit dem Handy, bewahrt euch diese Erinnerungen für immer.
Aber gönnt euch auch einmal ein “richtiges” Fotoshooting. 
Ich finde, es ist ein riesengroßer Unterschied, ob der Tierbesitzer selbst die Fotos macht, oder eine Fotografin mit ein paar Metern Abstand, aber dennoch viel Gespür für das unsichtbare Band zwischen Mensch und Tier.

MHb: Du bietest für Einsteiger in die  Tierfotografie einen Leitfaden zum nachlesen an. Gibt es da eine Leseprobe und wo kann ich diesen beziehen?

Ich arbeite tatsächlich gerade an einem Leitfaden für Tierfotografie-Einsteiger. Er wird bald veröffentlicht werden. Vielleicht magst du “Laut” geben und alle Interessierten informieren, sobald er erhältlich ist?
Geplant ist, dass er zum Frühsommer diesen Jahres als eBook zu haben sein wird 🙂

MHb: Wir sprachen schon über die obligatorischen Handybilder. Wenn es doch ein besseres Equipment sein soll, was würdest Du Einsteigern empfehlen?

Ich selbst habe meine erste Spiegelreflex-Kamera sogar gebraucht gekauft – und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht! Daher empfehle ich, lieber eine Mittelklasse-Kamera gebraucht zu kaufen, als ein ganz billiges Einsteiger-Modell neu zu kaufen. Bei einer Spiegelreflex-Kamera sind die Objektive eh das wichtigste – drum rate ich, bei einem System zu bleiben.
Eine Kamera mit der Möglichkeit, die Objektive zu wechseln, würde ich auf jeden Fall empfehlen – denn nur so kann man das für die Tierfotografie ideale Objektiv nutzen.

Details würden hier wirklich den Rahmen sprengen – daher kurz und knapp mein Tipp: Gebrauchte Mittelklasse-Kamera mit Wechselobjektiv. Das Objektiv hat im Idealfall eine maximale Blende von 2.8 oder 4

MHb: Wenn man tiefer in die Materie der Tierfotografie einsteigen möchte und entsprechendes Equipment gekauft hat, bietest Du Coachings an. Was kann man sich darunter vorstellen?

Genau! Ich mag ich diejenigen ansprechen, die schon ein bisschen was in ihr Equipment investiert haben und nun lernen möchten, wie sie zum einen das Beste da heraus holen – und was die Tierfotografie im Speziellen ausmacht. Hier sind die passenden Einstellungen nur ein kleiner Teil des Coaching – oder vielmehr nur Mittel zum Zweck.
Ich verrate praktisch erprobte Tricks, wie man ein Tier mit der Kamera einfängt, wie man es dazu animiert, das zu tun, was man sich als Fotograf wünscht (im Rahmen der tierischen Möglichkeiten). Insgesamt plane ich meine Coaching sehr individuell. Ich analysiere mit meinem Trainee, wo sich sein Wissenstand bewegt und womit ich ihm am meisten geben kann, um vorwärts zu kommen.
So liegen natürlich die Schwerpunkte des Trainees, der in erster Linie lernen möchte, sein eigenes Tier in Szene zu setzen, woanders als bei jemandem, der schon gute Fotografie-Kenntnisse hat und sich nun weiterbilden möchten, um sich als Tierfotograf auf eigene Füße zu stellen.

MHb Welche drei Tipps würdest Du unseren Lesern für den Bereich der Tierfotografie verraten?

Einen guten Tierfotografen erkennt man an den dreckigen Ellenbogen – sprich: Einen Hund sollte man am besten auf Augenhöhe fotografieren. In den meisten Fällen bedeutet das, dass man sich mit seiner Kamera hinkniet oder sogar flach auf den Boden legt.
Mein zweiter Tipp: Das Licht beobachten!
Hartes Mittagslicht sorgt für harte Schatten und eine ungleichmäßige Ausleuchtung – daher lieber (wie eingangs beschrieben ;)) etwas früher aufstehen und im Morgenlicht fotografieren. Oder im Abendlicht.
Den dritten Tipp mag ich allgemein halten:
Üben, üben, üben.
Ich habe damals bewußt sogar unscharfe, misslungene Bilder aufgehoben und analysiert: Was habe ich falsch gemacht?
Dafür gibt es tolle Foren oder Facebook-Gruppen, die einen auf den ersten Schritten begleiten.
Man sollte seine Kamera technisch kennenlernen, damit man Anweisungen (die dann sicher kommen), wie: zu kurze Belichtungszeit, zu kurze Brennweite u.ä. umsetzen kann.

MHb: Was möchtest Du unseren Lesern gern noch mit auf den Weg geben?

Fotografieren macht Spaß! Auch Hund, Pferd und Katzen habt meist viel Spaß beim Fotoshooting. Diesen sollte man ihnen lassen und nichts erzwingen.
Wenn nun ein Fotoshooting mit einem Fotografen stattfindet, dann sollte der Tierhalter immer auf sein Herz hören und darauf achten, dass sein Tier natürlich und artgerecht behandelt und abgelichtet wird.
Bei der Wahl des richtigen Fotografen den geliebten Vierbeiner sollte der Preis für das Fotoshooting nicht der allein ausschlaggebende Faktor sein – Bildstil und Sympathie dürfen nicht außer Acht gelassen werden.
Sonst sind am Ende die günstigen Fotos doch zu teuer.

MHb: Wir danken für diese Interview. Wer mehr über Nadine und ihre Arbeit erfahren möchte findet alle Infos auf der Homepage der Fotografin unter www.NadineGolomb.de 

Nadine & Cap: ein eingespieltes Team
Foto: Nadine Golomb

Kontakt
Nadine Golomb
Krikedillweg 36A
45739 Oer-Erkenschwick
hallo@nadinegolomb.de
Fon: 02368 – 87 404 81
Mobil: 0171 3885544